Attention Management: 10 Tipps, wie Sie Prokrastination vermeiden

Attention Management ist die Taschenlampe in der Dunkelheit
Die Digitalisierung hat den Zugang zu verschiedenen Gütern einerseits und die Flut an Informationen andererseits enorm erhöht. So sehr, dass es zunehmend schwer wird, ihrer Herr zu werden. Attention Management hilft.

Entgegen der landläufigen Meinung ist der Mensch nämlich nicht multitaskingfähig und besitzt auch nicht über unendliche Aufnahmekapazität. Daraus folgt, dass unsere Aufmerksamkeit als wertvolles Instrument in einer informationsüberfluteten Welt zunehmend an Relevanz gewinnt. Schon mal etwas von Aufmerksamkeits-Ökonomie gehört? Attention Management ist die Kunst der Aufmerksamkeits-Steuerung. Wir möchten anhand 10 pragmatischer Tipps Möglichkeiten der Fokus-Verwaltung erläutern. Sie sollen helfen, Ihre wertvolle Lebenszeit nicht mit unnötigem Scrollen oder der ziellosen Suche nach irgendetwas Neuem zu verschwenden – Prokrastination – sondern mit Leichtigkeit die Dinge angehen zu können, die Ihre volle Aufmerksamkeit benötigen.

Doch vorab eine kleine Metapher: Stellen Sie sich Ihre Aufmerksamkeit bitte für einen Moment als Lichtkegel einer Taschenlampe in absoluter Dunkelheit vor. Sie können also immer nur in eine bestimmte Richtung schauen. Sobald die Aufmerksamkeit weg ist, wird es dunkel. Und noch eine zweite Metapher: Ihr Gehirn funktioniert wie ein Muskel. Je intensiver und öfter Sie sich mit einer Sache beschäftigen, zum Beispiel Attention Management, desto besser und stärker werden Sie darin. Training ist alles. Seien Sie sich also bitte nicht böse, wenn nicht alle Tipps sofort auf Anhieb funktionieren, der ein oder andere Hinweis für Sie persönlich nicht so gut umsetzbar ist, oder Sie sich hin und wieder, trotz Umsetzung aller Ratschläge doch noch im Binge-Watching-Modus auf Netflix oder beim gedankenverlorenen Daumenwischen auf Facebook oder Instagram & Co verlieren. Es ist völlig okay. Viel wichtiger ist es, dass Sie ihr Bewusstsein für den Wert Ihrer Aufmerksamkeit schärfen. Dafür sind folgende Dinge hilfreich:

1. Bitte nicht stören

Es ist eine der am meisten unterschätzten Funktionen der aktuellen Smartphones. Programmieren Sie bitte die ‚Nicht Stören‘-Funktion. Der Vorteil? Nachrichten bzw. Anrufe werden zu den von Ihnen gewählten Zeiten automatisch stumm geschaltet und auch der Vibrationsalarm geht aus. Der Wecker ist davon natürlich nicht betroffen. Es bietet sich an, sich hier tatsächlich an den regulären Geschäftszeiten Ihres Unternehmens oder Arbeitgebers zu orientieren. Zumindest was die automatische Anschaltung am Morgen betrifft. Das kann zum Beispiel 7 Uhr oder 8 Uhr sein. Dann können Sie sicher sein, dass Sie während des Frühstücks oder unter der Dusche nicht vom Telefon gestresst werden, falls der Chef ein Frühaufsteher ist. Sie müssen auch nicht mehr daran denken das Telefon lautlos zu schalten, wenn Sie ins Bett gehen. Die Funktion könnte sich einfach beispielsweise 22 oder 23 Uhr aktivieren. Niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie mitten in der Nacht erreichbar sind. Wenn Sie Ausnahmen wünschen, zum Beispiel die Kinder oder den Partner/die Partnerin, dann gibt es in der Regel auch hierfür Möglichkeiten in den aktuellen Smartphone-Einstellungen. Dafür fügen Sie die entsprechenden Kontakte zu Ihren Favoriten hinzu und geben im Menü an, dass nur diese Sie während ihrer ‚Nicht Stören‘-Zeit erreichen können.

Wie Sie den ‚Nicht Stören‘-Modus auf Android aktivieren, lesen Sie hier: https://support.google.com/android/answer/9069335?hl=de

Wie Sie den ‚Nicht Stören‘-Modus auf iOS aktivieren, lesen Sie hier:
https://support.apple.com/de-de/HT204321#schedule

2. Mitteilungen stoppen

Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass das App-Design vieler Unternehmen so gestaltet ist, dass es uns Menschen schwer fällt der Versuchung zu widerstehen auf das Telefon zu schauen. Andauernd gibt es irgendein Geräusch, es ploppt eine Nachricht auf, es gibt eine Push-Notification oder rote Kreise mit Zahlen drin, die einem sagen sollen, dass es da etwas gibt, was man noch nicht kennt. Das berühmteste Beispiel ist vermutlich der Email-Eingangsordner, oder aber auch die Facebook-Benachrichtigungen. Schalten Sie das bitte alles aus. Sowohl bei den Apps auf dem Smartphone, als auch auf dem Laptop und Tablet. Ihre Aufmerksamkeit gehört allein Ihnen. Sie ist kein Gut eines Internetkonzerns und auch nicht eines Newsletter-Versenders. Wenn Sie wissen wollen, ob Sie neue Emails haben, dann bitte nach dem Schema unter Punkt 4, dazu kommen wir gleich. Und wenn Sie wissen wollen, ob jemand ihr neues Instagram-Mittagessen-Bild mit einem Herz markiert hat, dann schauen Sie bitte selber nach, wenn Ihnen danach ist, aber bitte tappen Sie nicht in die Falle und lassen Sie sich andauernd darüber aktiv informieren.

Es ist hinreichend bekannt, dass dieses System zu Abhängigkeiten führt, weil wir bei jedem ‚Pling‘ eine Dopamin-Ausschüttung erleben, die dazu führt, dass wir wie ein Drogensüchtiger danach gieren, das nächste ‚like‘ zu bekommen. Das Ziel sollte also lauten: Keine Push-Nachrichten, keine Töne, keine Vibrationen. Es ist ein bisschen müßig das einmal einzustellen, weil man es in der Regel für jede App separat machen muss, aber es lohnt sich. Probieren Sie es aus. Sie werden die Momente genießen, in denen Sie merken, dass es Ihre eigene Entscheidung ist, wann Sie welche App öffnen möchten. Zumindest sollten Sie alle Töne und Vibrationen von Apps ausschalten, die für Ihren Alltag nicht absolut essentiell sind. Für Messenger zum Beispiel können Sie ja auch die Zahlenhinweise am App-Symbol behalten, damit Sie beim Blick auf den Bildschirm sehen, dass Ihnen jemand geschrieben hat. Aber dann haben immerhin Sie selbst entschieden auf den Bildschirm zu schauen und nicht irgendeine App, die Ihnen sagen möchte, dass es doch toll wäre jetzt eine positive Bewertung abzugeben.

3. Calls only

Im Idealfall ist ihr Telefon so konfiguriert, dass das einzige, was noch irgendwie ein Lebenszeichen von sich gibt, das Klingeln des Telefons ist. Denn: Wenn es dringend ist, ruft jemand an. Zum Beispiel im Notfall. Wenn die Kommunikation aber über eine Email oder Kurznachricht bzw. Sprachnachricht oder andere Social Media Kanäle gelöst wird, kann es auch warten oder ist nicht von Notfall-Charakter. Wenn Ihnen das zunächst seltsam zumute ist, dann informieren Sie z.B. Ihren Partner/Ihre Partnerin einfach mit: „Hey, ab sofort ist mein Telefon für Nachrichten und Mitteilungen auf lautlos. Ich möchte mich mehr konzentrieren können und meine Aufmerksamkeit besser nutzen. Nur noch Anrufe kommen direkt an, Text- und Sprachnachrichten lese und höre ich dann, wenn ich mir dafür Zeit nehme. Ruf mich also bitte an, wenn es absolut wichtig ist, okay?“

Eine Möglichkeit für Sie hier noch mehr Transparenz reinzubringen, ist, den Favoriten-Kontakten einen speziellen Klingelton zuzuweisen. So hören Sie sofort, ob der Anruf unter Umständen wichtig ist, oder aber sekundär. Und in Meetings oder Veranstaltungen gilt ja sowieso: lautlos schalten. Zurückrufen kann man immer noch. Und auch einen Anruf abzulehnen, ist nicht respektlos. Denken Sie daran: Attention Management ist die Fähigkeit seine Aufmerksamkeit auf die Dinge zu richten, die einem persönlich wichtig sind. Nicht die Dinge, die anderen wichtig sind. Und sollte es sich doch mal um einen echten Notfall handeln, wird der Anrufer oder die Anruferin mit großer Sicherheit versuchen Sie ein zweites oder drittes Mal zu erreichen. Dann sollten Sie vermutlich auch tatsächlich rangehen. Darüber hinaus gilt: Stehen Sie zu Ihren Prioritäten, wenn Sie einen Anruf ablehnen und rufen Sie zurück, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Sagen Sie einfach: „Ich war gerade beschäftigt. Danke für Dein Verständnis. Jetzt nehme ich mir Zeit für Dich. Wie kann ich Dir helfen?“ Kein Problem, oder?

4. Email-Routine

Viele checken Ihren Emaileingang regelmäßiger, als einen Blick in den Spiegel zu werfen. Für manche ist es sogar schon zur Gewohnheit geworden direkt morgens noch im Bett oder spätestens beim Frühstück zum Smartphone zu greifen, um nachzusehen, wer geantwortet hat, oder die Newsletter auszusortieren. Und wenn man dann auf der Arbeit ankommt, was ist das erste, was viele tun? Richtig. Dabei ist es viel produktiver sich nur nur 2 mal am Tag um elektronische Post zu kümmern. Ja, sie haben richtig gelesen. 2 mal reicht. Emails am besten erst um die Mittagszeit checken, dann haben Sie nicht nur am Vormittag den Kopf für wichtige anstehende Aufgaben frei. Dann hatten auch die meisten Menschen die Chance auf Ihre vorangegangenen Emails zu antworten. Mittags können Sie dann alles in Ruhe am Stück abarbeiten und sortieren.

Ein zweiter Zeitpunkt, der sich strategisch anbietet, ist nachmittags oder abends, kurz bevor Sie Feierabend machen. Wenn es nur eine kurze Antwort ist, können Sie die Email gleich beantworten. Wenn es etwas umfangreicher ist, gibt es Ihnen die Möglichkeit noch mal eine Nacht darüber zu schlafen, bevor Sie antworten. Machen Sie aber bitte nicht den Fehler und nehmen Sie die Arbeit mit nach Hause. Selbst wenn der Druck vom Chef noch so groß ist. Niemand kann von Ihnen erwarten, dass sie 24 Stunden am Tag und sofort auf Emails antworten. Eine Antwort innerhalb von 24-48 Stunden dagegen ist vollkommen legitim. Am besten den Posteingang der Arbeit erst gar nicht auf dem Handy einrichten, sondern den Zugang dazu nur auf Arbeit ermöglichen. Ständige Erreichbarkeit ist Gift für eine gesunde Aufmerksamkeit. Attention Management soll Ihnen schließlich helfen, ausgeglichener und fokussierter die Dinge anzupacken, die wirklich wichtig sind.

5. Noise-Canceling Kopfhörer

Kennen Sie das? Sie sitzen vielleicht in einem (Großraum-)Büro und alle Nase lang spricht Sie jemand an, weil er oder sie etwas von Ihnen will? Und sei es nur, einen Kaffee zu trinken oder eine Zigarette zu rauchen oder bei einer Frage zu einem Software-Problem oder einem Kunden zu helfen? Dabei würden Sie sich gerne konzentrieren, weil Sie noch an dieser einen wichtigen Präsentation arbeiten, die bis heute Nachmittag fertig sein muss, trauen sich aber vielleicht nicht dies auszusprechen, oder fühlen sich überrumpelt und sagen reflexartig ‚okay‘. In solchen Fällen können Noise-Canceling Kopfhörer ware Wunder wirken. Sie müssen noch nicht mal darüber Musik hören oder die Geräuschunterdrückung anschalten, viel wichtiger ist es, dass man Ihnen von außen ansehen wird, dass Sie im Moment nicht ansprechbar sind. Die Ansprech-Rate sinkt enorm, weil der Aussenstehende daran gehindert wird, Sie einfach so anzuquatschen. Es entsteht eine Hemmschwelle. Kann man natürlich nicht jeden Tag und ständig machen, wäre ja auch irgendwie unsozial, aber so ein großer bequemer Kopfhörer sollte auf jedem Schreibtisch bereit liegen. Denn wenn es darauf ankommt, können 1 bis 2 Stunden konzentrierte Tätigkeit ohne Ablenkung im Beruf manchmal enorm wichtig sein. Der Kopfhörer signalisiert, ganz ohne Worte: Bin gerade woanders.

6. Autoplay off

Sie wollen vielleicht nur mal eben kurz noch einmal nach diesem einen Post auf Facebook, Instagram oder Twitter schauen, den Sie neulich entdeckt haben, da ist es schon passiert. Während Sie scrollen, startet eines dieser lustigen Videos und Sie bleiben hängen und schauen es sich an. Eine Minute, zwei Minuten. Dahinter steckt einfache Verhaltenspsychologie. Etwas, was sich bewegt, zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Das hat auch damit zu tun, dass es früher in der Steinzeit vielleicht eine Gefahr hätte darstellen können, wenn Sie etwas nicht beachten, was sich da im Busch bewegt. Dieses im Menschen eingebrannte Verhalten wird im 21. Jahrhundert aber zur Aufmerksamkeits-Falle. Denn weil Sie sich vielleicht angesprochen fühlen vom Inhalt des Videos, müssen Sie es natürlich sofort teilen. Und weil Sie das Thema interessiert, fangen Sie an weiteres Material dazu zu sichten oder auf der Seite des Anbieters herumzustöbern.

Spätestens jetzt haben Sie vergessen, was Sie eigentlich wollten und es sind schon wieder 10 Minuten ins Land gegangen. Dafür gibt es eine wirklich einfache Lösung: Schalten Sie den Autostart bzw. das Autoplay von Videos in ihren sozialen Netzwerken aus. Jetzt. Auch auf YouTube. Es ist Ihre Verantwortung zu Entscheiden, was und wie lange und wie viele Videos Sie sich ansehen. Übertragen Sie diese Macht nicht auf andere. Sie ist viel zu kostbar. Attention Management ist Gold wert in einer Zeit, da Daten und Aufmerksamkeit das neue Öl der Wirtschaft sind. Treffen Sie bewusste Entscheidungen.

7. Router programmieren

Ein Feature, was vermutlich die wenigsten unter Ihnen kennen, ist, dass man das WLAN des heimischen Routers auf Zeit programmieren kann. Wozu das gut ist? Stellen Sie sich vor, Sie sitzen abends um 22-23 Uhr noch gemütlich bei einem Wein vor dem Computer und schauen vielleicht eine Doku oder surfen mehr oder minder ziellos umher und bevor man es merkt, ist es 2 oder 3 Uhr nachts. Und das, obwohl Sie wissen, dass Sie am nächsten Morgen vermutlich zwischen 6 und 8 Uhr wieder auf der Matte stehen müssen. Wie dieser Morgen dann aussieht, kennen Sie vermutlich gut. Schlafmangel ist äußerst kontraproduktiv, wenn Sie eine wache Aufmerksamkeit wünschen. Daher eine Attention Management-Empfehlung: Programmieren Sie Ihren Router so, dass er ab einer gewissen Zeit, zum Beispiel 0 Uhr oder 1 Uhr nachts, das WLAN ausschaltet und erst am nächsten Morgen, oder vielleicht sogar noch später, das WLAN wieder anschaltet. Es ist eine Reißleine für Sie, eine Erinnerung, das es doch jetzt besser an der Zeit wäre für Entspannung zu sorgen und den Laptop oder das Smartphone zur Seite zu legen.

Klingt natürlich erst mal drastisch, aber Sie werden sich daran gewöhnen. Strom spart es noch dazu, denn das Senden von WiFi-Daten verbraucht tatsächlich ein paar Watt extra. Von der geringeren Strahlenbelastung mal ganz zu schweigen. Sie lassen ja schließlich auch nicht die ganze Nacht das Licht an, warum also dann das WLAN? Die Einstellungen für die Zeitschaltung sind oft ein bisschen versteckt. Wenn Sie nicht wissen, wo und wie diese Settings zu finden sind, kontaktieren Sie einfach den Support Ihres Internetanbieters oder fragen Sie denjenigen, der Ihnen das Netzwerk eingerichtet hat um Hilfe. Man kann die Zeitschaltung übrigens auch tagesabhängig planen, sodass das WLAN am Wochenende zum Beispiel durchweg aktiv ist und die Abschaltung nur unter der Woche greift. Na dann, gute Nacht!

Wer doch selbst versuchen möchte die Zeitschaltung einzustellen, der findet hier eine ganz brauchbare Grundanleitung: https://praxistipps.chip.de/wlan-zeitlich-begrenzen-geht-das_20539

8. Mobile Daten ausschalten

Dieser Tipp ist für die meisten Leser vielleicht der extremste von allen. Aber wir erinnern uns: Attention Management ist dazu da unser Bewusstsein für unsere Aufmerksamkeit zu schärfen. Eine super Möglichkeit dieses Bewusstsein zu schärfen ist, die mobilen Daten des Smartphones prinzipiell komplett auszuschalten. Im Regelfall sind wir sowieso die ganze Zeit von WiFi umgeben, Zuhause oder auf der Arbeit. Oft ‚brauchen‘ wir mobile Daten nur dann, wenn wir wirklich mobil sind und uns Informationen fehlen, die uns von A nach B bringen. Und ist es Ihnen nicht auch schon mal passiert, dass Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit auf dem Telefon waren, während Sie bei Rot über die Ampel gingen, vielleicht sogar einen anderen Menschen umgerannt haben oder zumindest im Gehen gestolpert sind, weil Sie nicht im Moment bei der Sache waren? Der Grund hierfür sind in der Regel mobile Daten.

Mobile Daten machen tatsächlich nur dann Sinn, wenn Sie auch wirklich darauf angewiesen sind. Dann kann man Sie aber auch mit einem Fingerwisch über die Settings des Telefons anschalten. Zum Beispiel, wenn man einen Weg sucht und eine Karte braucht, oder am Bahnsteig nach alternativen Verbindungen schauen möchte. Das ist völlig okay. Schalten Sie mobile Daten nur dann ganz bewusst an, wenn Sie sie benötigen, aber tun Sie sich selbst den Gefallen und schreiben Sie keine Emails oder surfen Sie ziellos durch das Internet, wenn Sie über die Straße gehen, oder vielleicht sogar auf einem Fahrrad sitzen oder Auto fahren. Benutzen Sie lieber ein separates Navi im Auto, wenn Sie es tatsächlich benötigen. Don’t drive and write!

9. Termine vs. To-Do’s

Räumen Sie Ihren Kalender auf. Wenn Sie noch keinen haben, fangen Sie an einen zu benutzen. Dabei gehören jedoch nur Dinge in den Kalender, die tatsächlich auch einen fixen Zeitbezug haben, also z.B. Verabredungen oder Termine. Was nicht in den Kalender gehört, sind To-Do’s oder sonstige Listen. Diese notieren Sie sich bitte separat im Telefon oder auf Papier. Und zwar geordnet in die Gruppen ‚dringend‘, ‚wichtig‘ und ‚dringend+wichtig‘. Dinge die ‚dringend‘ sind und die weniger als 2 Minuten dauern, erledigen Sie, wenn möglich, bitte sofort. Alle anderen planen Sie zu einem späteren Zeitpunkt ein. Dabei haben To-Do’s auf der Liste ‚dringend+wichtig‘ natürlich Priorität. Aufgaben aus der Kategorie ‚dringend+wichtig‘ erledigen Sie am besten vormittags. 10 Uhr ist eine gute Zeit. Da ist ihr Kopf noch frei und frisch für anspruchsvolle Aufgaben. Damit die Dinge, die auf der ‚wichtig‘-Liste landen bei all den Dringlichkeiten nicht vernachlässigt werden, reservieren Sie sich am besten ein oder zwei mal pro Woche einen festen Zeitpunkt im Kalender, an dem Sie sich um die wichtigen Angelegenheiten kümmern können.

Dinge, die für Sie weder ‚wichtig‘ noch ‚dringend‘ sind, können Sie entsprechend ad acta legen. Alternativ kann man auch eine vierte Kategorie mit ‚irgendwann‘ eröffnen, die man sich tatsächlich auch ‚irgendwann‘ mal wieder anschaut und auch ‚irgendwann‘ erledigt. Wenn Sie dieses einfache Attention-Management-System beherzigen, gibt es kein Aufmerksamkeits-Chaos mehr. Man nennt es übrigens das Eisenhower-Prinzip, aber ob der US-Präsident es wirklich auch so gehandhabt hat, ist nicht bestätigt.
Versuchen Sie prinzipiell feste Zeiten für Arbeit und Privatsphäre einzuplanen. Auch als Selbständiger sollten Sie zum Beispiel feste Kernarbeitszeiten haben und nicht versuchen zu jeder Zeit ‚on duty‘ zu sein. Wenn Sie ein limitiertes Zeitfenster zum Arbeiten haben, wie zum Beispiel bei einer 4-Tage-Woche, dann werden Sie sich hüten die begrenzte Zeit mit unwichtigen, ablenkenden Dingen zu verschlendern.

10. Meditation

Vielleicht wundern Sie sich jetzt über diesen Tipp, aber er ist tatsächlich komplett ernst gemeint. Wenn es im Attention Management darum geht seine Aufmerksamkeit gezielt und ungestört zu bündeln und sich nicht von Außen ablenken zu lassen, dann ist Meditation fast so etwas wie das Gegenteil dazu. Aber warum empfehlen wir Ihnen das Gegenteil von dem zu tun, was Sie zu erreichen gedenken? Ganz einfach. Erinnern Sie sich an die Metapher mit dem Muskel aus der Einleitung? Wenn unser Gehirn also in Bezug auf sein Leistungsspektrum wie ein Muskel funktioniert, nämlich durch trainieren, dann braucht es auch Ruhephasen. Einen Muskel kann man schließlich auch nicht unendlich anspannen. Irgendwann tut es weh oder Sie verkrampfen. Das ist mit unserer Aufmerksamkeit auch nicht anders.

Es ist also wichtig auch regelmäßig die Konzentration los zu lassen. Meditation ist genau das. Es ist die Entspannung des Fokus. Es ist Anwesenheit, ohne aktive Interaktion. Eine Möglichkeit für den ‚Muskel‘ unseres Gehirns zu regenerieren. Ähnlich der Dualität zwischen Wachsein und Schlafen. Sie wissen ja bereits, dass ausreichend Schlaf die Aufmerksamkeit steigert. Warum also nicht mal meditieren? Dabei geht es beim Meditieren allerdings nicht ums schlafen, wie der Eine oder die Andere vielleicht vermutet, sondern um die Ausbreitung der Aufmerksamkeit auf alles, was gerade passiert. In Ihnen und auch außerhalb.

Wenn wir noch mal auf den Taschenlampen-Vergleich aus der Einleitung zurück kommen wollen, dann ist Meditation ein Flutlicht. Die Aufmerksamkeit wird nicht auf einen Punkt gebündelt, sondern gleichmäßig verteilt, ohne der einen oder anderen Sache einen besonderen Stellenwert zuzuschreiben. Meditation ist Sein ohne Bewertung. In diesem hell erleuchteten Raum ist alles erlaubt. Denken, riechen, schmecken, fühlen, auch sehen. Wichtig ist, dass sich der Fokus verbreitert, gar auflöst. Dass Sie zum Beispiel über Atemtechniken zurück in Ihr Körpergefühl finden, dass Sie sich nicht böse darüber sind, falls doch mal ein Gedanke oder ein Gefühl oder ein Geräusch Ihre Aufmerksamkeit beansprucht. Das ist okay. Beim Meditieren geht es darum, die Wolken dieser Erscheinungen über den Himmel ziehen zu lassen, ohne Ihnen hinterher zu rennen.

Auch hierbei macht natürlich Übung den Meister. Es reichen für den Anfang aber auch schon ein paar Minuten täglich, die Sie sich bitte nehmen, um Ihren Fokus zu entspannen. Wichtig ist dabei nicht die Dauer, sondern die Regelmäßigkeit. Das Ergebnis ist, dass es Ihnen leichter fallen wird sich zu konzentrieren, wenn sich Ihr Gehirn regelmäßig entspannen darf. Probieren Sie es bitte aus. Es gibt mittlerweile ein reichhaltiges Kursangebot in diversen Meditations-Übungen in allen Städten Deutschlands. Auch und gerade für Anfänger, die dieses Experiment gerne in Begleitung durchführen wollen. Online und auch offline. Für Menschen mit Berührungsängsten zum Ausprobieren empfehlen sich zum Beispiel geführte Audio-Meditationen, bei denen man über Kopfhörer einem Guide lauscht, der Sie begleitet.

Die Kollegen vom Online-Magazin Utopia haben übrigens eine wirklich gute Übersicht über die 5 brauchbarsten Meditations-Apps erstellt. Sie finden Sie hier: https://utopia.de/achtsamkeit-5-empfehlenswerte-meditations-apps-57123/

Wie denken Sie darüber? Welche Erfahrungen haben Sie im Umgang mit Attention Management gemacht? Diskutieren Sie mit und hinterlassen Sie einen Kommentar oder schreiben Sie eine Email direkt an die redaktion@singularity-magazin.de

Bildquellen

  • Beitragsbild: Isaac Davis / Unsplash
Über Johannes Strom 5 Artikel
Johannes ist Herausgeber und Chefredakteur des Singularity Magazins. Er schreibt zudem als freier Autor und Journalist für eine Vielzahl an Online- und Print-Medien und ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband DJV.

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